Die Geschichte des GTEV D´Schneebergler Feldkirchen

Die „Schneebergler" sind von den drei Trachtenvereinen im Gemeindebereich der Gemeinde Ainring der älteste Verein. Dies ist Grund genug, um einen Blick in die Vereinsgeschichte zu tun.

In der Vereinschronik ist aus der Gründungszeit zu lesen, dass der Feldkirchner Schmiedegeselle Michl Hogger sich im Juni 1919 mit weiteren 17 Burschen aus dem Dorf zusammensetzte, um einen Trachtenverein zu gründen. Dessen Ziel sollte es sein, Brauchtum und Tracht zu pflegen. Michl Hogger hatte diese Idee aus Wildenwarth im Chiemgau mitgebracht, wo er als Schmiedegeselle in Dienst war. Am folgenden 31. August fand die erste Hauptversammlung statt. Es wurde festgelegt, dass Jeder, der dem Verein beitreten wollte, 1,50 Mark Aufnahmegebühr zu zahlen hatte und als Monatsbeitrag wurden 50 Pfennig festgesetzt.

In der Hammerau gab es damals schon eine Schuhplattlergruppe. Diese stellte den Antrag, in den Verein aufgenommen zu werden. Es ist nachzulesen, dass anlässlich einer Monatsversammlung am 16.11.1919 diesem Antrag stattgegeben wurde. Vermerkt ist, dass laut Chiemgauer Amtsboten der Verein am 18. April 1920 in den Gauverband I aufgenommen wurde.

So stand der Verein nun auf den festen eigenen Füßen und der Schneeberg, der Berg zwischen Wiesbach und Langackern, war bei der Taufe Pate gestanden.

Zwei Jahre später wurde eine Vereinsfahne angeschafft. Bei der Bestellung wurde der Preis von 29.000 bis 35.000 Mark angegeben. Die Inflationszeit trieb ihre Blüten. Was sie dann wirklich gekostet hat, ist nicht mehr vermerkt. Am 23. Mai 1923 fand die Fahnenweihe statt, bei der 25 Vereine zu Gast waren. Ein weiterer Eintrag in der Chronik gibt Kunde, dass wegen der katastrophalen Geldentwertung bis zur Wiederkehr geordneter Verhältnisse die Erhebung des Vereinsbeitrags eingestellt wurde. Es wurden auch keine Vereinsunterhaltungen mehr abgehalten, da (wie es hieß) die überaus traurige Zeit nicht dazu angetan sei.

Diese Zeit hatte auch dem Verein ihren Stempel aufgedrückt – denn es kamen krisenreiche Jahre. Dem rührigen Vorstand Michl Hogger war es zu verdanken, dass man den Wahlspruch „Treu dem alten Brauch" im Vereinsleben hochhielt.

Nachdem man in Gemeinschaftsarbeit in den Jahren 1930/31 beim damaligen Marxenwirt eine Trachtenhütte errichtet hatte und dies eine Stätte der Geselligkeit und der Gemeinschaft wurde, erlebte auch der Verein wieder einen Aufschwung. Die stets steigende Mitgliederzahl war der Beweis. 1935 wurde eine Jugendgruppe gegründet, die bis heute besteht (unterbrochen nur durch die Kriegsjahre) – mittlerweile als sehr starke Kindergruppe und eine separate Jugendgruppe.

Schlimm waren die Jahre des 2. Weltkrieges. Rund 40 Mitglieder mussten in den Krieg und 19 davon sahen ihre Heimat nicht mehr. In dieser Notzeit hatte sich der damalige Vorstand Martl Mühlbauer als Hüttenvater sehr verdient gemacht. Den aus dem Feld auf Urlaub weilenden Vereinsmitgliedern bereitete er so gut es ging in der Vereinshütte gesellige Stunden des Beisammenseins.

1946 wurde die Vereinshütte erweitert. Sie musste aber 1954 von ihrem Platz beim Marxenwirt - inzwischen hieß er Zellerhof – zum jetzigen Grundstück wechseln. Keine leichte Arbeit! Alle halfen mit und so war dies schnell geschafft.

1959 wurde das 40jährige Gründungsfest begangen und dabei die zweite Vereinsfahne geweiht. 27 Trachtenvereine waren gekommen und den Festzug führten vier Musikkapellen an.

Im Jahr 1975 konnte der Verein dann das Grundstück erwerben, auf dem die alte Vereinshütte stand. In den folgenden Jahren kam es mit viel Eigenleistung zum Ausbau und Anbau der „Hütt'n", der dann im April 1977 seiner Bestimmung übergeben werden konnte.

1979 feierte unser Verein das 60jährige Gründungsfest in Feldkirchen. Auf zehn Züge verteilt waren neben den Musikkapellen auch 28 Trachtenvereine sowie zahlreiche andere Ortsvereine. Der Fahne von 1959 wurde ein Erinnerungsband überreicht.

Zum 70. Geburtstag im Jahre 1989 gab es einen Festabend für die Mitglieder und die Nachbarvereine. Inzwischen war der Verein kontinuierlich gewachsen. Besonders in der Kinder- und Jugendarbeit begann eine lange Phase des andauernden Zulaufs von Kindern. Durch die steten Verbesserungen des Könnens konnten auch immer bessere Plätze bei vielen Preisplattln erreicht werden. Hier gilt die Anerkennung den Kinder- und Jugendwarten – stellvertretend für viele jedoch Herbert Galler und seiner Frau Regina, die über Jahrzehnte Dutzende von kleinen Buam und Dirndl im Tanz und Platteln ausgebildet haben.

Im Jahr 1994 konnte – rechtzeitig zum 75. Geburtstag – der neue Proberaum eingeweiht werden. Viele, viele Stunden freiwilliger Arbeit waren geleistet worden, bis das neue Prachtstück seiner Bestimmung übergeben werden konnte. Als angebauter Keller zur Vereinshütte fällt der Proberaum so gar nicht auf. In einer feierlichen Eröffnung – mit dem kirchlichen Segen von Hr. Dekan Parzinger – konnte der neue Raum den Vereinsmitgliedern und benachbarten Trachtenkameraden vorgestellt und seiner Bestimmung übergeben werden.

Das im Rupertiwinkel beheimatete Aperschnalzen wurde im Verein von jeher gepflegt. Bereits 1922 waren die Vereinsmitglieder mit ihren Goaßln nach Nürnberg gefahren, um dort bei einem großen Trachtenfest „aufzudrahn". Heute verfügt der Verein mit Stolz über etliche aktive Schnalzerpassen und eine aufstrebende Zahl von Jugendpassen.

So lag es denn auch nahe, im Jahr 1999 – zum 80. Geburtstag – das Ruperti-Preisschnalzen auszutragen. Dafür eignete sich die neue Mehrzweckhalle in Mitterfelden mit vorgelagerter Schnalzerwiese hervorragend. Die Schnalzer und Zuschauer waren reichlich vertreten. Leider spielte das Wetter nicht richtig mit. Mit zahlreichen Schneeschauern und Stürmen war es eine recht kalte Angelegenheit. Aber die nahe Schnalzer-Halle machte alles schnell vergessen.

Michl Hogger, ein Sohn der Heimat, leitete von der Gründung bis zum Jahr 1932 den Verein und wurde nach dem Krieg zum Ehrenvorstand ernannt. Er verstarb am 02. März 1973 im hohen Alter von 87 Jahren.

Der Trachtenverein, den er ins Leben gerufen hatte, erfreut sich auch noch nach 85 Jahren eines sehr regen Vereinslebens und bildet bis heute aus der Jugend ständig wieder neue begeistertre Trachtlerinnen und Trachtler heran. Dieser Bericht kann nur einige wenige Ereignisse aus 85 Jahren Vereinstätigkeit beschreiben.

Der GTEV D'Schneebergler erinnert sich an dieser Stelle mit Respekt an den Vereinsgründer sowie an viele andere, engagierte und verdiente Vorstände und Vereinsmitglieder.

Marianne Hauser